"Wir müssen der Natur wieder mehr Raum geben und mit ihr statt gegen sie leben". Im Interview erzählt uns der Musiker von seiner Vision einer besseren Zukunft und einem ganz besonderen Biohof.

Im Januar ist dein Buch "Hier und Jetzt. Mein Bild von einer besseren Zukunft" erschienen. Wie sieht demnach dein Bild von einer besseren Zukunft aus?

Aus meiner Sicht müssen wir der Natur wieder mehr Raum geben und mit ihr statt gegen sie leben. Ich glaube, dass die Lösung aus der Mitte der Gesellschaft kommen wird. Menschen gehen auf die Straße und demonstrieren für mehr Klimaschutz. Kunden verzichten auf Plastikverpackungen. Junge Leute retten Lebensmittel aus Containern. Kochen ist in, einen Garten zu bestellen, ist wieder modern. Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt. Irgendwann werden diese Tendenzen vielleicht zu einer starken Bewegung. Das zweite große Thema ist das menschliche Miteinander: Verständnis, Respekt, Toleranz, teilen statt raffen. Auch hier sehe ich bei den jungen Leuten tolle Ansätze.

2015 hast du den Biohof Gut Dietlhofen erworben. Was ist das Besondere an dem Biohof?

Der Hof ist wie eine Miniaturwelt. Fast alles, was wir zum Leben brauchen, gibt es dort: Sauberes Wasser, gute Äcker, Obstbäume, Scheunen und Ställe, Wohn- und Gästehäuser, eine Kirche, einen Hofladen, ein Gutscafé und eine Begegnungsscheune für Veranstaltungen aller Art. Das Wichtigste aber ist das Tabalugahaus, ein Ferienhaus, in dem Kinder aus prekären Verhältnissen sowie kranke und traumatisierte Kinder mit ihren Betreuern unbeschwerte Tage in intakter Natur verbringen können. Wer mag, kann auf dem Bauernhof helfen und erleben wie die Hühner gefüttert oder Kartoffeln geerntet werden. Die Natur, das ist jedenfalls unsere Erfahrung, wirkt wie eine Therapie bei den Kindern.

Was bewegte dich, als waschechter Musiker, zu diesem sozialen Projekt?

Die Stiftung, die meinen Namen trägt, haben meine Mitarbeiter, Freunde und Partner und ich vor 20 Jahren gegründet. Der Zufall wollte es, dass wir in Tutzing einem Mann über den Weg gelaufen sind, der ein Heim für traumatisierte Kinder leitete, Dr. Jürgen Haerlin. Er sagte, er bräuchte Unterstützung, Öffentlichkeitsarbeit und einen Kinderspielplatz für seine Kinder. Über diesen Kinderspielplatz haben wir zueinander gefunden. Irgendwann sagte er: "Ihr habt zwar keine Kompetenzen als Psychotherapeuten oder Pädagogen, aber ihr kennt viele Menschen und habt die Logistik. Warum kreiert ihr nicht eine Feriensituation für traumatisierte Kinder?" So ist das entstanden. Es hätten alte Leute oder irgendetwas anderes sein können, aber diese intuitive Entscheidung, es für Kinder zu tun, empfinde ich heute als sehr wohltuend und richtig.

Ein wichtiger Aspekt deines Buchs ist gesunde Ernährung. Was macht gesunde Ernährung für dich aus?

Wenn es nach mir ginge, wäre neben Sport auch Ernährungskunde ein verpflichtendes Unterrichtsfach schon in den ersten Klassen. Denn Bewegung und gesundes Essen sind wichtige Bausteine, wenn das Leben gelingen soll. Auch das kann man spielerisch vermitteln. Auf Gut Dietlhofen basteln wir mit den Kindern in unseren Kochworkshops aus Gemüse und Obst lustige Figuren, aus Salatgurken zum Beispiel Krokodile, aus einer halbierten Banane und einer halben Kiwi eine Schnecke mit Schneckenhaus. Und aus Kartoffelpüree und Möhrenstiften formen die Kinder einen Drachen. Das macht ihnen großen Spaß.

Was sind für dich die Vorteile von Bio-Lebensmitteln?

Der Verzicht auf synthetisch oder chemisch hergestellte Dünger und Wachstumsregler. Und die Frische. Ich kaufe keine Bio-Kartoffel, die um die halbe Welt gereist ist. Dann würde ich mich eher für Kartoffeln aus der Region entscheiden, auch wenn sie nicht Bio sind. Aber glücklicherweise stehe ich nicht vor dieser Wahl, denn auf Dietlhofen bauen wir selber auch Kartoffeln an.

Wie schaffst du es, dich an stressigen Tagen, an denen ein Termin auf den anderen folgt, gesund zu ernähren?

Bei langen Meetings stehen bei uns immer Obst und Nüsse als gesunder Snack auf dem Konferenztisch. Auf unseren Tourneen gibt es beim Team-Catering stets ein großes Salatbuffet, immer eine leichte Gemüsesuppe aus frischen Zutaten und drei Hauptgerichte, eines davon vegetarisch und möglichst eines mit Fisch, denn wir möchten allen an der Tour Beteiligten ausgewogene und gesunde Malzeiten bieten. Außerdem bin ich ein Ingwer-Tee-Junkie. Ingwer-Tee ist gesund und gut für meine Stimme. Und auf die muss ich ja ein bisschen aufpassen.

In deinem Buch beschäftigst du dich mit der Frage, wie wir die Zukunftschancen unserer Kinder verbessern können. Vermittelst du deinen Kindern deine bewusste Lebensweise?

Ja, natürlich. Vor allem ist es wichtig, Kindern von klein auf die richtigen Werte zu vermitteln. Denn: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr", heißt es. Im Kindesalter wird unser Bewusstsein geformt und damit der Grundstein für das ganze weitere Leben gelegt.

Welche zentrale Botschaft würdest du deinen Lesern gerne mit auf den Weg geben?

Es gibt keinen Grund zum Pessimismus oder gar zur Resignation. Auch wenn manches schief läuft und wir eine Menge Probleme haben, lohnt es sich, für diese Welt zu kämpfen. Wenn jeder dazu beiträgt und sein Gegenüber unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht respektiert, einen kleinen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leistet und das Gemeinwohl über den Eigennutz stellt, dann ist eine bessere Welt keine Utopie mehr.

"Hier und Jetzt. Mein Bild von einer besseren Zukunft"

In seinem neuen Buch beschreibt Peter Maffay den Ort, an dem er seine Zukunftsvision verwirklicht und zeigt, wie man im Einklang mit der Natur leben kann, wie wichtig ein respektvolles Miteinander ist und wie wir die Zukunftschancen unserer Kinder verbessern können.

Fotos: Wolfgang Köhler, Hamburg